Backstage Report

40 Kilo Eis und ein rosa Elefant: Welche Forderungen Stars stellen, wenn sie auf Tour sind

Stefan Gnad

"Leben"

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29.3.2024, 05:00 Uhr
Dieser fesche Herr spielt ganz oben mit, was verrückte Forderungen von Rockstars auf Tour angeht. Die Stichworte lauten "David Lee Roth", "Van Halen" und "M&M's" ...

© imago images/Avalon.red Dieser fesche Herr spielt ganz oben mit, was verrückte Forderungen von Rockstars auf Tour angeht. Die Stichworte lauten "David Lee Roth", "Van Halen" und "M&M's" ...

Merke: Der Rock'n'Roll ist ein mühsames Geschäft. Es ist ein dreckiger Job, aber irgendeiner muss ihn ja machen. Und: Es ist ja nicht so, dass es keinen Spaß macht und dass einen keiner gewarnt hat ...

Ganze Bücher wurden gefüllt mit den Erlebnissen von Rockbands auf Tournee. Kein Wunder, brennt doch schnell mal die Luft, wenn man einen Haufen kreativer junger oder auch nicht mehr so junger Menschen in einen engen Bus quetscht und übers Land schickt. Hier ein paar Dinge, die man in diesem Setting möglicherweise wissen sollte:

Der Rider

Wie angesagt du bist, bestimmt nicht zuletzt dein Stage- oder Technical Rider. Auf den oft vielseitigen Dokumenten steht haarklein verzeichnet, was alles vor, auf und vor allem hinter der Bühne bereitstehen muss, wenn du dich dazu herablässt, ein Nest wie London oder New York mit deiner Anwesenheit zu beglücken. Vor allem ist da die notwendige Technik aufgelistet, die es für ein gelungenes Konzert braucht - aber nicht nur.

Während Nachwuchsbands glücklich sind, nach der Show ihren Schlafsack irgendwo ausrollen zu dürfen, läuft bei den Superstars seit vielen Jahren ein heimlicher Wettbewerb um die irresten und exzentrischsten Extrawürste.

Whiskey und Pornohefte (Guns’n’Roses), eine Playstation-Spielekonsole („mit verschiedenen Sportspielen aus dem Jahrgang 1999, besonders der Football-Simulation ‚Madden 99‘ sowie vier Controllern“ - Snoop Dog), ein Spiegel über dem Bett (Justin Timberlake) oder ein gerahmtes Foto von Prinzessin Diana (Britney Spears) ist ja noch irgendwo nachvollziehbar – aber 40 Kilo Eis (Elton John), ein komplett schwarzes Hotelzimmer (Prince) oder „eine junge Frau, intelligent genug für Gespräche nach der Show und mit einer Wohnung nicht weiter von der Halle entfernt als eine Zehn-Dollar-Taxifahrt“ (Glenn Danzig)?

Marilyn Manson forderte – neben Gummibärchen („nur von Haribo!“) – jahrelang „eine glatzköpfige, zahnlose Prostituierte“, die er aber nie gekriegt hat. Soll angeblich auch nur ein Spaß gewesen sein. Denn eine weitere Rock‘n‘Roll-Weisheit besagt: Schreib was mächtig Abgefahrenes auf deinen Rider, denn wenn dann einer kommt und sagt, dass das leider nicht möglich ist, dann weißt du, dass das Ding zumindest gelesen wurde ... und darfst dich der frommen Hoffnung hingeben, dass die Veranstalter, wenn sie diesen Wunsch schon nicht erfüllen können, sich bei den restlichen Forderungen möglicherweise umso mehr ins Zeug legen.

Tom

Tom © imago images/Avalon.red

Die britische Pop-Sängerin Dido soll auf ihrem Rider mal einen rosa Elefanten verlangt haben, um zu sehen, ob das funktioniert. Hat es nicht. Nicht mal die große Mariah Carey bekam 20 Babykatzen für ihre Garderobe. Wie die Rolling Stones schon 1969 sangen: „You can't always get what you want!“ Vielleicht ist das der Grund, warum Madonna auf einer ihrer Gastspiel-Rundreisen mal kurzerhand ihre eigenen Möbel mitnahm, um sich backstage zumindest ein bisschen daheim zu fühlen ...

Den All-time-Klassiker auf diesem Gebiet lieferten die Hardrocker Van Halen 1982, als sie sich vertraglich eine Riesenschale voll M&M’s sichern ließen – allerdings ohne die braunen, die händisch aussortiert werden mussten. Zumindest diesen legendären Tour-Rider findet man sogar als Fotografie im Internet.

Geheimtipp, falls die US-Rockband Van Halen mal wieder auf Tour kommen sollte ... (was in diesem Leben leider nicht mehr passieren wird)

Geheimtipp, falls die US-Rockband Van Halen mal wieder auf Tour kommen sollte ... (was in diesem Leben leider nicht mehr passieren wird) © imago images/Manfred Segerer

Zeitvertreib on the road

Grundregel: „What happens on tour stays on tour.“ Undichte Stellen gibt es freilich immer, vielleicht sind ein paar Geschichten aber auch einfach zu gut, um sie nicht der Nachwelt zu erhalten.

„Rock’n’Roll is waiting“ lautet eine andere alte, leider wahre Roadie-Weisheit. Am besten lässt sich Langeweile nun mal mit Blödsinn überbrücken. Umdekorierte und verwüstete Hotelzimmer oder Fernseher, die aus Fenstern fliegen, sind da nur die bekanntesten Beispiele – von dem Rolls-Royce, den der unvergessene Keith Moon an seinem 21. Geburtstags in einem Swimming Pool parkte, ganz zu schweigen.

Genialer Gitarrist, aber auch ein schlimmer Finger: Ritchie Blackmore ließ es auf Tour ordentlich krachen.

Genialer Gitarrist, aber auch ein schlimmer Finger: Ritchie Blackmore ließ es auf Tour ordentlich krachen. © imago images/agefotostock

Lang ist auch die Liste von Musikern, die nächtens bei Pinkelpausen auf Raststätten vergessen wurden. Es gibt Künstler, die jedes Hotel-Badezimmer fotografieren (Blixa Bargeld) und andere, die wie unter Zwang Stuhlbeine absägen müssen (Jens Johansson von Stratovarius und Yngwie Malmsteen).

Eine der krassesten Tourgeschichten erzählt Lemmy von Motörhead auf YouTube. Ein Tourmanager soll Deep Purple-Gitarist Ritchie Blackmore mal so nachhaltig genervt haben, dass dieser ihm einen Drogencocktail unterjubelte. Als der Mann aufwachte, saß er nackt und ohne Papiere in einem Mietwagen ohne Schlüssel auf einer Fähre nach Island.

Fool’s Day!

Am letzten Tag auf Tour ist traditionell Fool’s Day. Da lässt man es gerne noch mal kollektiv krachen, bevor sich dieser Zirkus auf Rädern, diese Schicksalsgemeinschaft auf Zeit in alle Himmelsrichtungen verstreut – vor allem während der Show.

Statt dem finsteren Orgel-Intro ertönt ein Kinderlied, den Musikern fliegen Torten ins Gesicht, in den bereitgestellten Wasserflaschen schwappt klarer Schnaps oder halbnackte Menschen mit lustigen Masken rennen an der wichtigsten Stelle der Show mit Sprühsahne über die Bühne.

Muss es trotzdem immer nur „Sex, Drugs & Rock’n’Roll“ sein? „Ein dämliches Klischee“, urteilte schon vor Jahren Michel Langevin alias Away, Schlagzeuger und Kopf der legendären kanadischen SciFi-Metaller Voivod. „Warum nicht mal Bücher, Schach und Rock’n’Roll?“

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